Das renommierte Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut ifo sieht den Strukturwandel und Zölle als Bremsen für die Industrie und das Produktionspotenzial

Zwänge zur Dekarbonisierung, zur Digitalisierung und zur Robotisierung in einer Zeit demographischer Veränderungen und geopolitischer Unsicherheiten und schwieriger Finanzierungen belasten die deutsche Wirtschaft. Bürokratische und infrastrukturelle Hürden belasten insbesondere die verarbeitende Industrie, die in Deutschland (noch) eine große gesamtwirtschaftliche Bedeutung und wesentlich zur Beschäftigung und Wertschöpfung beiträgt.  Dieser Strukturwandel habe in den vergangenen Jahren zu einer Abwärtsrevision des Produktionspotenzials geführt und führe in den kommenden Jahren zu einer Verlangsamung der Potenzialwachstumsrate. Zusätzlich belasten die Anhebungen der US-Importzölle nun die deutsche Exportwirtschaft. Dadurch hätten sich die Erholungsspielräume deutlich reduziert. Das hat das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo in seiner heute veröffentlichten Konjunkturprognose konstatiert.

Die wirtschaftspolitischen Weichenstellungen würden der deutschen Wirtschaft voraussichtlich nur einen kurzfristigen konjunkturellen Schub, aber keine Impulse für ein höheres Produktionspotenzial oder eine Beschleunigung des Potenzialwachstums verleihen, so das ifo. Das ifo sieht zudem, dass sich sowohl der Strukturwandel als auch die Belastung mit US-Einfuhrzöllen im Prognosezeitraum fortsetzen werden. Aufgrund der US-Zölle erwartet das ifo sogar Vorzieheffekte in 2025, die die Exportmengen in 2026 entsprechend schrumpfen lassen. Auf den Europäischen Märkten wird sich der Wettbewerb mit China durch die US-Einfuhrzölle weiter intensivieren. Entsprechend schwach fällt die Prognose des ifo für das preisbereinigte deutsche Bruttoinlandsprodukt aus, die gegenüber dem ifo-Herbstgutachten deutlich gesenkt wurde.

Der sich bereits seit einigen Jahren vollziehende Strukturwandel kann aber auch als Chance wahrgenommen werden. Resiliente Unternehmen verfügen über die dafür erforderliche Anpassungsfähigkeit. Sie nutzen ihre Innovationskraft, justieren ihre strategische Ausrichtung und adaptieren ihre Geschäftsmodelle.

Konkrete Chancen liegen sowohl in einer klaren Ausrichtung auf Verfahren und Produkte, die den Weg zur Dekarbonisierung fördern, als auch im systematischen Einsatz Künstlicher Intelligenz und Robotik zur Steigerung der Effizienz und der globalen Wettbewerbsfähigkeit. Nicht zu vernachlässigen sind aber auch belastbare Kundenbeziehungen, ein aktiver Vertrieb zur Gewinnung relevanter Leads und ein hervorragender Service. Weltweit sieht die wirtschaftliche Entwicklung positiver aus als in Deutschland. Das bietet Chancen. Viele deutsche Unternehmen haben gute Produkte, es fehlt ihnen allerdings an internationalen Vertriebskanälen, die aber entwickelt werden können. Unternehmen, die entsprechende Projekte initiieren, können diese Chancen in Wettbewerbsvorteile konvertieren. Vielleicht ist das Jahresende, die Zeit “guter Vorsätze”, ja ein geeigneter Moment, um eine solche Transformation mit hohem Business Impact einzuleiten.