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"Zombifizierung“ unserer Wirtschaft

26.07.2019, Boysen Consulting

Dass laut Kreditversicherern, der Bundesbank und Insolvenzverwaltern die Insolvenzzahlen seit Jahren stagnieren, liegt vor allem an dem einfachen Zugang zu preiswerten Krediten – ermöglicht durch die Niedrigzinspolitik der Notenbanken.

Doch dürfen wir uns durch die Insolvenzzahlen nicht über die tatsächliche Verfassung vieler Unternehmen, die von ihren Hausbanken deswegen weiterhin mit Krediten versorgt werden, damit die erkannt faulen Kredite nicht abgeschrieben werden müssen, hinwegtäuschen lassen. Durch die Injektion weiteren preiswerten Geldes stabilisieren viele Geschäftsbanken ihre Eigenkapitalquote – eine bröckelige Fassade!

Auf diese Weise „künstlich ernährte“ Unternehmen sind oft schon lange bilanziell überschuldet und wären eigentlich tot. Als Zombis investieren sie nicht, binden anderswo dringend benötigte Fachkräfte, drücken das Preisniveau in ihren Branchen und blockieren womöglich sinnvolle Kredite anderer Unternehmen. Sie restrukturieren auch nicht. Kurz: Sie hemmen die Produktivität ganzer Branchen und Länder und bremsen die Inflation.

Laut einer Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) liegt der Anteil der Zombiunternehmen weltweit bei 12% und steigt seit Jahren spürbar an. Bislang konnten sich Zombiunternehmen gut halten, weil sie von einer grundsätzlich guten Konjunktur gestützt wurden. Diese Voraussetzung droht jetzt aber wegzubrechen. Handelskonflikte haben in den vergangenen Monaten bereits einen Vorgeschmack hinterlassen. Die Konjunktur in Südostasien ist merklich zurückgegangen und beeinflusst auch unsere westeuropäischen Exportvolumina bereits. Eine konjunkturelle Abkühlung könnte kurzfristig zu einer Marktbereinigung führen. Zombiunternehmen würden dann enttarnt; Untote würden dann endgültig sterben – zum Vorteil der Unternehmen mit Perspektive!

Zu beobachten ist allerdings, dass sich zunehmend Unternehmen restrukturieren, die weder zahlungsunfähig noch überschuldet sind. Sie wirken einer existenziellen Krise frühzeitig entgegen, indem sie proaktiv strategische und operative Anpassungen vornehmen.

Eine bald unvermeidliche Marktbereinigung würde die Geschäftsbanken belasten, die Realwirtschaft aber stärken.