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Wird der erwartete Wirtschaftseinbruch als Self-fulfilling Prophecy kommen?

08.02.2019, Boysen Consulting erstellt von Dr. Werner Boysen

Wie bereiten wir uns auf die unmittelbare Zukunft vor?

Der Internationale Währungsfonds (IFW) rechnet nur noch mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 3,5%. Als Gründe werden das maßgeblich durch den Handelsstreit mit den USA verlangsamte Wirtschaftswachstum in China, der drohende Brexit und internationale Handelskonflikte angeführt. Auch Manager haben sich betreffend die wirtschaftliche Entwicklung beim Weltwirtschaftsforum in Davos skeptischer gezeigt als bislang.

Die EU-Kommission erwartet aktuell für 2019 in den 19 Staaten der Eurozone nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3%. Ihre Einschätzung hat EU-Kommissar Valdis Dombrovskis vor allem mit internationalen Spannungen und den Folgen des drohenden chaotischen Brexit begründet, die sich in Handelsunsicherheiten niederschlagen. Das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) hat bereits am Montag, 4.2.2019, seine Konjunkturprognose für den Euroraum gesenkt.

Italien rutscht in die Rezession, Frankreich strauchelt, die USA befürchten eine Stagnation und Venezuela ist mit dem Absturz des staatlichen Ölkonzerns in eine tiefe Wirtschaftskrise geraten. Aus vielen weiteren Ländern verlauten Negativmeldungen.

Für Deutschland bedeutet diese weltwirtschaftliche Entwicklung eine Abschwächung des Exports, der sich bereits deutlich abzeichnet. Die Bundesregierung geht für Deutschland nur noch von einem Wachstum von 1,0% aus – nach 1,8% im Herbst 2018. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet laut DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben nur noch mit 0,9% BIP-Wachstum nach 1,7% bislang. Dies bestätigen seit Dezember 2018 auch die Volkswirte der deutschen Großbanken.

Am Mittwoch, 6.2.2019, teilte das Statistische Bundesamt mit, dass der Auftragseingang der deutschen Industrie im Dezember 2018 entgegen den Erwartungen um 1,6% –  und im Jahresvergleich sogar um 7% zurückgegangen ist. Besonders hart hat es die deutschen Maschinenbauer getroffen, deren Auftragseingänge laut Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) im Dezember im Jahresvergleich um 8% zurückgegangen sind. Ausländische Bestellungen sind deutlich verringert; die Dynamik hat sich laut VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann ins Inland verlagert.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier hat die Zeichen erkannt und zeigt inzwischen offen seine Angst um die Konjunkturentwicklung. Er möchte Wachstumsimpulse setzen und hat Unternehmen bereits kurzfristige Steuererleichterungen angekündigt, um drohende Belastungen abzufangen.

Noch weisen die Auftragsbücher der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer überwiegend Überlast aus, die in den kommenden Monaten abgebaut werden kann. Deshalb mag der Einbruch ausländischer Auftragseingänge kurzfristig sogar zur Stabilität beitragen. Aber deutsche Maschinen- und Anlagenbauer, die stark vom Exportgeschäft gezehrt haben, sollten nicht zögern, jetzt Anpassungsmaßnahmen umzusetzen, denn der Auftragsrückgang wird sich voraussichtlich fortsetzen und sich im Frühsommer, wenn die Auftragsbugwelle abgebaut sein wird, in den Erträgen niederschlagen.

Langfristige Absatzverträge mögen Sicherheit suggerieren, sind aber in schwierigen Zeiten nicht immer durchsetzbar. In jedem Fall zahlt es sich aus, genau in ausländischen Absatzmärkte „hineinhören“, um Entwicklungen mit Vorlauf zu erkennen. Dazu erfordert es belastbare persönliche Beziehungen in den Märkten. Wenn rezessive Absatzmärkte zu Überangeboten führen, ist es umso wichtiger, über besondere Leistungsmerkmale zu verfügen, die zum Vorzug vor Wettbewerbsleistungen führen. Und der Fokus auf Service kann sich jetzt auszahlen: Wenn Investitionen in neue Maschinen und Anlagen zurückgehalten werden, gewinnt nämlich für Kunden die Verfügbarkeit der installierten Maschinenbasis an Bedeutung. Wer im Service gut aufgestellt ist, kann damit gerade jetzt punkten.

Meiner Meinung nach ist der beobachtete weltwirtschaftliche Einbruch, der sich schon in Deutschland abzeichnet, nicht von Analysten und Journalisten herbeigeredet, sondern von ungeschickter Politik real herbeigeführt. Es handelt sich also nicht um eine Self-fulfilling Prophecy, die sich bald wieder in Normalität zurückverwandelt, sondern um eine fundamentale Entwicklung, auf die wir uns solide vorbereiten müssen.